Presse

Artikel vom 08.10.2001 in der Aachener Zeitung

 

Lernförderung “Memory" geht an die Ursachen der Probleme

Wenn sich Kinder in der Schule quälen

Von Nachrichten-Redakteurin
Andrea Zuleger

Euregio. Wenn Andreas, Thomas und Michael Ball spielen, sieht das nicht nach Büffeln für die Schule aus. Doch auch die viertel Stunde Toben gehört zum Konzept von “Memory³, einer Nachhilfe, die nach den Ursachen der Schulprobleme sucht, anstatt nur die Symptome zu bekämpfen.

“Beim Fleischer kaufen wir Schinken und Salami", den Satz hätte der 11-jährige Andreas aus Erkelenz vor einem halben Jahr noch nicht fehlerfrei schreiben können. In seinem Kopf herrschte eine große Konfusion der Buchstaben: Welche Wörter groß, welche klein und wie um Himmels Willen wird Salami buchstabiert? Unter der Diagnose seiner Lehrer “Lese-und Rechtschreibversagen" litt Andreas wohl am allermeisten. Der einst aufgeweckte Schüler wurde stiller und stiller, und als er dann von der Grundschule auf die Hauptschule wechselte, wurde es noch schlimmer. “Das erste Mal als Andreas etwas im Unterricht gesagt hat, haben die anderen Kinder gelacht. Daraufhin hat er sich zurückgezogen", sucht Andreas Mutter nach den Gründen für das Versagen. Für die beiden 11-jährigen Jungen Thomas und Michael sah der Schulalltag ähnlich erschreckend aus. “Mir hat man geraten, Michael auf die Sonderschule zu geben", erregt sich heute noch die Mutter von Michael. Der schreibt inzwischen auch mal eine Eins, anstatt der obligatorischen Durchschnitts-Fünf.

Aus dem Eff-Eff

Solche Beispiele kennt Jens Mengeler, bundesweiter Leiter von “Memory" aus dem Eff-Eff: “Dahinter stecken in den meisten Fällen kognitive Defizite." Das sind Schwächen in grundlegenden Fertigkeiten wie dem räumlichen Vorstellungsvermögen, dem Vergleichen zwischen verschiedenen Objekten oder dem planvollen Arbeiten. Im besten Fall erwerben Kinder diese Fähigkeiten so ähnlich wie sie sprechen lernen, unangestrengt und nebenbei. Aber das klappt nicht immer; hat einer eine bestimmte Phase nicht durchlaufen, kann das viel später zu Problemen beim Rechnen oder Schreiben kommen. “Um die Defizite zu beheben, muss man an die Ursachen ran und nicht nur den aktuellen Schulstoff einpauken", ist Mengeler überzeugt. Der individuelle Eingangstest bei “Memory" zeigte, wo Andreas, Thomas und Michael ihre Schwächen und wo sie ihre Stärken haben. Und er ergab auch, dass die Schulprobleme der Drei nicht an mangelnder Intelligenz liegen. Das Programm, dass “Memory"-Mitarbeiter Werner Millhofer für die Jungs ausgearbeitet hat, geht genau auf die Schwächen ein, fördert zum Beispiel die Fähigkeit Objekte zu vergleichen, herauszufinden welches Wort bei einer Gruppe wie “Kirche, Scheune, Haus, Auto" nicht dazu passt. So lernen die Schüler kategorisieren und können das nach einiger Zeit auf die Grammatik anwenden, und dann entscheiden, welche Wörter groß geschrieben werden.

Kaum Selbstbewusstsein

Die Wissensvermittlung ist jedoch nur die eine Säule der Förderung, die andere betrifft die Seele, denn die leidet am meisten unter dem Teufelskreis> aus Überforderung, Dauerdruck und Misserfolg. “Da ist das Selbstbewusstsein oft so angeschlagen, dass sie schon aus der Überzeugung heraus, nichts zu können, weiter schlechte Noten schreiben", weiß Werner Millhofer, der jetzt zwei Mal in der Woche anderthalb Stunden mit Andreas, Thomas und Michael intensiv für die Schule büffelt und ein Viertelstündchen Ball spielt.

Info-Box

“Memory" ist vor elf Jahren im wesentlichen nach dem Konzept des Psychologen Dr. Reuven Feuerstein, gegründet worden. Mittlerweile gibt es in Deutschland in 25 Städten “Memory"-Zweigstellen, die zusammen rund 400 Mitarbeiter beschäftigen. In manchen Städten, wie in Bergisch-Gladbach arbeitet die “Caritas" mit “Memory" zusammen. Im Durchschnitt braucht ein Kind die Förderung von “Memory" ein Jahr lang. Die üblichen zwei Termine in der Woche zu je anderthalb Stunden kosten 240 Mark im Monat. Der Eingangstest und Diagnose sind kostenlos. Fragen zu “Memory" beantwortet Werner Millhofer unter der Rufnummer 02432/2807 oder per E-mail memory@millhofer.de.